Jun 10

Schreibe hier mal nach und nach ein paar hilfreiche Erfahrungen auf, wenn man – wie ich – den Schritt von IOS nach Android wagt, und von der ganzen Cloud-Struktur nicht so viel hält.

Ein wenig eigene Infrastruktur je nach Geschmack (Mailserver, CAL-/CARDDAV-Server, Proxy mit adblocker nach gusto, eigener DNS) sollte es jedoch schon sein, wenn man die wichtigsten Daten von der Cloud fernhalten möchte. Das war unter ios so, und gilt unter Android mehr denn je. Also los gehts mit den Basics:

  • Mails: Da eignet sich K9-Mail ganz gut – ist etwas anders als Mail.App zu bedienen, kann aber nach meinen Vertestungen am meisten
  • Kalendersync: CalDAV-Sync integriert den eigenen CalDAV zu 100% in die Android-Welt, und das ganz ohne gmail-Kalender. Reminder und Co. funktionieren sauber!
  • Telefonbuch: CardDAV-Syncfree synct wunderfein die Kontakte mit dem heimischen CardDAV-Server (zum einsatz kommt hier übrigens davical)
  • Notizen: Werden bei ios/osx als „spezielle Mail“ in einem Subfolder mit Namen „Notes“ abgelegt. Da gibts was günstiges für den Droiden: iNotes – nicht von der Beschreibung im Store verwirren lassen, der spielt echt mit jedem imap (hier ist der gute alte cyrus im Einsatz)
  • Twitter: Tja. Da bin ich noch nicht so ganz weiter. Tweetbot gilt nach wie vor als ungeschlagen. Aber Tweetveo kommt zumindest schon mal etwas dran. [Update 10.06.14] Plume isses ! Tweetmarker-Support. Suchen nach Antworten – also all das was Tweetbot auch kann – zumindest auf den ersten Blick. Danke an @bridgerdier [Update 05.12.2014] Fenix ist der Twitterclient der Wahl
  • Newsreader: Original tt-rss Client für tinytiny – geht doch 🙂

Nun bringt das alles herzlich wenig, wenn man die Äpps auf dem Device, sowie das OS nicht einigermassen abschotten kann. Und an dem Punkt kommt Cyanogenmod – das mich überhaupt bewegt hat, von IOS nach Android zu wechseln – ins Spiel. Nicht ganz trivial zu installieren (Grobe Vorgehensweise: Bootloader unlocken, CWM/TWM aufspielen, Image installieren) aber in der Version 11 (Analog KitKat) sehr empfehlenswert. So lässt sich jede Äpp beliebig kastrieren (Bis hin zu: „Darf die App vibrieren?“ und so). Ein Feature das google seit 4.4.2 wieder ausgebaut hatte. Hier isses drin. Und das ganze CM11 ist echt stabil.

Wer dann den Droiden noch weiter abschotten möchte, dem sei (CM11 bzw. root vorrausgesetzt) noch Droidwall ans Herz gelegt. Ganz platt gesagt ist Droidwall ein Frontend für iptables mit dem man pro Äpp sagen kann, ob diese überhaupt ins Netz darf. Heisst: Wenn ich bspw. ne Taschenlampe installiere, dann braucht die mal definitiv keinen Netzzugriff… Logging gibts gratis obendrauf.

Ansonsten macht AdFree von BigTinCan noch den solidesten Eindruck. Warum das Teil von einer sehr dubiosen Website kommt, nicht im Playstore verfügbar ist und überhaupt, weiss wohl niemand. Habe dieses Ding ausgewählt, weil es ganz simpel die /etc/hosts um einschlägige Werber ergänzt, und echt nicht mehr anstellt. Alles andere wollte direkt Nutzungsdaten und Co. nach Hause funken. Dieses schicke kleine APK macht genau das was es soll (Werbung fernhalten – und das auch noch relativ elegant).

[Update 11.06.14] Mit IOS8 soll es ein Update geben, bei dem das iPhone die Mac-Adresse des WLAN-Interfaces randomisiert während es keinerlei Connect zu einem WLAN hat. Löbliches Feature. Geht mit dem Droiden natürlich auch. Guckst du Pry-Fi im Playstore. Das das Teil root-Rechte benötigt, liegt auf der Hand.

Am meisten weggetan hat das Messaging. Kenne ich doch recht viele ios-iMessage Menschen. Da gibt es leider nur Pest oder Cholera als Ersatz. Facebook möchte ich nun nicht gerade in Form von WhatsApp beglücken, also hab ich mich neben SMS für Google-Hangouts entschieden. Ob bei Kurznachrichten jetzt Apple oder google mitliest ist da relativ. (Nur FB sollte es halt nicht sein). Das ganze Thema Messaging ist extremst unbefriedigend, sowohl unter ios als auch unter Android. Diesen ganzen Placeboteile wie Threema und wie sie nicht alle heissen kann man auch nicht trauen (ist halt kein opensource). Daher gibts hier halt einen Kompromiss.

Wenn jemand noch weitere Tips hat, immer gern her damit.

Gesucht wird bspw. noch:

  • PodFetcher
  • FeedReader (Gut, Feeds lese ich hauptsächlich auf dem iPad – aber wer weiss: Vielleicht kommt da ja auch irgendwann mal ein Droide hin)
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Feb 27

Nachdem wir nun seit ca. 2 Monaten ins Eigenheim umgezogen sind, flatterte die erste unaufgeforderte „Werbepost“ ins Haus. Ein „Begrüssungsgutschein“ der Firma „Jacque’s Weindepot. Soweit so gut. Nun bin ich jemand, der peinlich genau darauf achtet bei irgendwelchen Anmeldungen/Ummeldungen/Behördengängen die Weitergabe meiner Daten zu untersagen.

Vorweg: Mir geht es hier nicht um irgendwelche Einwurfsendung (auch adressierte), sondern einfach darum, diesem ganzen Adresshandel mal auf den Zahn zu fühlen. Am Ende wird sich wahrscheinlich herausstellen, dass das hochgelobte BDSG, wie so viele andere Gesetze in good old Germany, ein zahnloser Tiger ist.

Zurück zur Sache: Wo haben die meine Daten her ? Prima, da gibt es doch seit geraumer Zeit diesen netten § 34 des BDSG – das sog. „Recht auf Selbstauskunft“. Wollte ich doch schon immer mal ausprobieren 🙂
Also fix mal im Netz einen strafbewehrten Vordruck herausgesucht, und diesen dann freundlich an o.g. Unternehmen versandt.

Nach ca. 4 Tagen kam dann auch prompt die, wirklich freundliche, Antwort des Weinhandels. Zusammenfassung: Man hat die Werbung garnicht selbst erstellt (und dementsprechend auch keine Daten über mich), sondern einen Dienstleister mit der Adressselektion und dem Versand des Flyers beauftragt. Freundlicherweise haben die mir dann auch den Namen des Versenders genannt. Die Firma „Axciom“ in Neu-Isenburg (bei Frankfurt). Ok, nächste Runde.

Strafbewehrtes Schreiben genommen, und per Fax ab an die Axciom. Habe das Schreiben dann noch um die bisherigen Erkenntnisse ergänzt (…Sie haben mir im Auftrag von Jacque’s Weindepot unaufgefordert… blabla). Gestern kam dann das Antwortschreiben (per Snail-Mail) vom Adressbroker. Die haben auch wieder brav nach BDSG geantwortet, und mir folgendes mitgeteilt:


...
Folgende Daten sind in der Axciom-Datenbank über Sie gespeichert:
Name: Joerg D.
Adresse: xxxxxxxxxxxxx
Telefonnummer (nur zu Identifikationszwecken): 0xxxx-xxxxxxx


Ihre Adressdaten wurden von dem Unternehmen


Campione Computer Service SAS
Frau A.Martin
Piazza Indipendenza 3
CH-6911 Campione
Tel.: 0041-91-6498831
Fax.: 0041-91-6495718
...

Suspekt, woher haben die denn meine Telefonnummer ??? Jetzt könnte man in die nächste Runde gehen, sieht allerdings alles nicht sehr vielversprechend aus. Das ganze Konstrukt wird ab hier nämlich unverschämt.

Wir halten die bisherige Kette mal fest (Empfänger zu sender): Joerg <- Jaqcues Weindepot <- Axciom <- Campione <- ???

Die CCS SAS sitzt also in Campione, irgendwo in der Schweiz. Die Schweiz gehört nicht zu Deutschland (ja, nichtmal zur EU 🙂 ) – daher werde ich, wie schon diverse andere Leute ausprobiert haben, dort mit dem BDSG nicht weiterkommen. Ist also eine Sackgasse, dass ganze. In einem Antispam-Forum hat das mal jemand versucht durchzuexzerzieren – die CCS SAS hat zwar recht schnell, aber dafür auch enorm fadenscheinig geantwortet. CCS SAS bezieht sich da, nach Aussage des Forums, auf solche Allgemeinaussagen wie „Deine Adresse steht doch im Telefonbuch, fang da mal an…“

Werde in einer stillen Minute mal drübernachdenken, und schauen wie man da den Hebel ansetzt.

Alles in allem scheint sich die Branche da ein feines Schlupfloch im BDSG gebastelt zu haben. Der Adressowner verkauft die Adresse einfach ins Ausland, in dem die Rechte nicht mehr ohne weiteres gelten, und ist aus dem Schneider. Der Auskunftsanspruch lässt nämlich, soweit ich informiert bin, nur das „Rückwärtsrecherchieren“ zu. Macht ja auch erstmal Sinn, da ich ja wissen möchte woher meine Adresse kommt, wenn ich unerwünschte Post bekomme. Dummerweise wird die Beweiskette hier gnadenlos unterbrochen, da es in der Schweiz erstmal nicht weitergeht.

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